Vegane Ernährung liegt zweifelsohne im Trend und hat zahlreiche Vorteile für Mensch, Tier, Natur und Umwelt. Doch sie spaltet auch die Gemüter. Verfechter sehen es als die einzig wahre Ernährungsform an, die Körper und Umwelt Gutes tut und Gegner kritisieren Einseitigkeit, Dogmatismus und Mangelversorgung. Bei Diskussionen führt dies dazu, dass Emotionen hochkochen oder Unwahrheiten und Gerüchte über vegane Ernährung verbreitet werden.

Da tut es gut, dass ein Team um Prof. Dr. oec.troph. Heike Englert von der Fachhochschule Münster ein wissenschaftlich fundiertes Buch zu diesem Thema herausgebracht hat. Englert arbeitet im Bereich Ernährungsmedizin, Ernährungsberatung und Public Health, lehrt und forscht und hat einen ausgeklügelten Blick für die Praxis. Durch den wissenschaftlichen Hintergrund richtet sich das Buch an Wissenschaftler, Studierende, aber auch an alle, die sich für dieses Thema interessieren und sich über eine umfassende wissenschaftliche Perspektive freuen.

Das Buch zeigt klar den Zusammenhang zwischen veganer Ernährung und den weit verbreiteten lebensstilbedingten Krankheiten auf, die vor allem in der westlichen Welt herrschen. Es macht deutlich, welche Folgen die tierische Ernährung hat und was die vegane Ernährung für den Körper bedeutet – und das alles wissenschaftlich fundiert mit Fakten, Studien und Nachweisen.

Betrachtung der veganen Ernährung im Lebenszyklus

Jeder Mensch und auch jeder Lebenszyklus hat einen anderen Anspruch an die Ernährung. Die Ernährung für einen Leistungssportler muss anders aussehen, als für eine Schwangere oder ein Kind im ersten Lebensjahr. Es herrschen viele Vorurteile darüber, für wen vegane Ernährung geeignet ist oder nicht geeignet ist. Die Autoren beschäftigen sich deshalb in dezidierten Kapiteln mit verschiedenen Lebenszyklen. So gibt es ein Extrakapitel zur veganen Ernährung im Leistungssport oder zu Schwangerschaft und Stillzeit. Auch die vegane Ernährung Säuglings- und Kleinkindalter wird diskutiert. Weitere Kapitel handeln von veganer Ernährung für Kinder und Jugendliche, aber auch für Frauen in der Menopause oder für Senioren. Dabei wird anhand der Studienlage beleuchtet, wo die vegane Ernährung möglicherweise an ihre Grenzen stoßen könnte und unter welchen Umständen Nährstoffe suplementiert werden müssen oder sollten.

Vegane Ernährung und die eigene Gesundheit

Vegane Ernährung hat Auswirkungen auf den ganzen Körper. Sie beeinflusst das Mikrobiom des Darmes und wirkt sich laut Studienlage auf viele Erkrankungen auf. Die Autoren beschreiben zum Beispiel, wie sich vegane Ernährung auf Diabetes, kardiovaskuläre Erkrankungen, Übergewicht und Adipositas, die Fettleber, Osteoporose und auch auf psychische und neurodegenerative Erkrankungen auswirkt. Ein eigenes Kapitel fasst gar die Studienlange zum Thema Lebenserwartung für Veganer zusammen.

Vegane Lebensmittel

Gerade für Menschen, die sich erstmalig mit der veganen Ernährung beschäftigen, ist die Auswahl von Lebensmittel ein forderndes Thema. Vielen Menschen ist nicht bewusst, wie einfach, vielseitig und bunt die pflanzliche Ernährung ist. Wer allerdings jahrelang ein Stück Fleisch mit Beilage zum Mittag gegessen hat und sam Abend Wurst- und Käsebrote hat schmecken lassen, benötigt vielleicht etwas länger, um in die vegane Ernährung einzutauchen. Vegane Ernährung ist nicht schwierig, fordert allerdings ein Bewusstsein für tierische und pflanzliche Lebensmittel. Aus diesem Grund widmen die Autoren den Empfehlungen zur Lebensmittelauswahl ein eigenes Kapitel. Darin werden vegane Alternativprodukte zu tierischen Lebensmitteln aufgezeigt und die Autoren zeigen auch tierische Bestandteile von Lebensmitteln auf, von denen man es vielleicht nicht gedacht hätte.

Neues Kapitel zur Nachhaltigkeit veganer Ernährung

Da vegane Ernährung im Bezug auf Klimawandel auch immer mehr unter dem nachhaltigen Aspekt diskutiert wird, haben die Autoren in der zweiten Auflage dem wichtigen Thema ein eigenes Kapitel gewidmet. Auf 25 Seiten tragen die Autoren Zusammenhänge zwischen Veganismus und Nachhaltigkeit zusammen. Dabei spannen die Autoren den Bogen von der persönlichen Ernährung bis hin zu weltweiten Auswirkungen. Das Kapitel befasst sich mit Massentierhaltung, Tierethik, Ökologie aber auch mit kulturellen und gesellschaftlichen Aspekten, die im Zusammenhang mit veganer Ernährung und Nachhaltigkeit stehen.

Fazit: Dieses Buch ist für alle geeignet, die sich für vegane Ernährung interessieren und sich einen wissenschaftlich fundierten Blick auf diese Ernährungsform wünschen. Es hilft Sachlichkeit in oft emotionale Diskussionen zu bringen und gibt Antworten auf drängende Fragen zu den Themen Gesundheit und Nachhaltigkeit. Der Schreibstil ist auch für Nicht-Wissenschaftler leicht verständlich und nachvollziehbar.

Buchtipp:
Vegane Ernährung, Heike Englert und Sigrid Siebert (2.Auflage 2020)

Buchtipp:

Niko Rittenau, Sebastian Copien
Vegan-Klischee ade! Das Kochbuch: Kompaktes Wissen, leckere Rezepte. Abwechslungsreiche Ernährung mit dem Baukastensystem
Praktische Anleitung für eine alltagstaugliche vegane Ernährung
Mit seinem Sachbuch „Vegan-Klischee ade!“ hat der studierte Ernährungsexperte und Social-Media-Star Niko Rittenau einen Bestseller gelandet und mit den Vorurteilen gegenüber der veganen Ernährung aufgeräumt – wissenschaftlich fundiert & für jeden verständlich. Mit diesem veganen Kochbuch für die Praxis holen er und Profikoch Sebastian Copien nun die vegane Küche ganz unkompliziert in Ihren Alltag. Durch ihre jeweilige Expertise im Bereich Ernährungswissenschaften und im Bereich hochwertiger Kulinarik und Kochtechnik, ist hier ein ganz besonderes Buch entstanden.