Beim Fasten geht es um die Reinigung des Körpers – sowohl innerlich als auch äußerlich. Auch beim Yoga gibt es spezielle Übungen, die die Reinigung fördern. Man spricht dann vom Kriya-Yoga. Diese Techniken wurden bereits in der Hatha Yoga Pradipika erwähnt und werden auch heute von vielen Menschen praktiziert, die einen aktiven yogischen Lebensstil führen. Denn Yoga besteht aus weit mehr als den Körperübungen (Asanas). Da Yoga ein ganzheitliches System ist, sprechen die Kriyas den ganzen Körper an. So gibt es Reinigungstechniken für die Nase, für die Augen, für die Lungen oder für den Verdauungstrakt.

Kapalabhati – Reinigung für die Lungen

Die bei uns wohl bekannteste Reinigungstechnik ist Kapalabhati. Diese tiefe Atemtechnik ist Teil vieler Yoga-Stunden und ist mehr als das „tiefe Atmen“.

Kapalabhati bedeutet wörtlich „Strahlender Schädel“ und führt dem Körper viel Sauerstoff zu. Insgesamt wird dabei das Lungengewebe stärker durchblutet und auch Nase und Nasennebenhöhlen profitieren von der einfachen Übung.

Durchführung: Kapalabhati beginnt im aufrechten Sitz. Zuerst wird einige Male tief ein- und ausgeatmet. Dann atmet man tief ein und atmet anschließend viele Male schnaubend aus, während eine Hand auf dem Bauch liegt. Anfänger schaffen vielleicht 20 Atemzüge, Fortgeschrittene bis zu 60 Atemzüge. Bei der ganzen Übung bleiben Oberkörper und Kopf ruhig. Lediglich die Bauchdecke bewegt sich.

Tratak – Die Übung für die Augen

Unsere Augen führen und durchs Leben. Sie zeigen uns die Schönheit der Natur und sind unersetzlich. Doch pflegen wir unsere Augen eigentlich? Im Alltag passiert das wenig und Gymnastik für die Augen ist bei uns eher unbekannt. Hier kommt Tratak ins Spiel. Die Übung reinigt die Augen und die Tränendrüsen und fördert darüber hinaus die Konzentration.

Durchführung: Man sitzt in einem dunklen Raum auf einem Kissen und stellt etwa in einem Abstand von einem Meter eine brennende Kerze auf. Anschließend fixiert man die Kerze mit seinem Blick und versucht möglichst selten bis gar nicht zu blinzeln. Irgendwann beginnen die Augen zu tränen. Da ist der Punkt, an dem man die Augen für einige Minuten schließen darf. In der Dunkelheit konzentriert man sich auf das Bild der Kerzenflamme, das nun im inneren Auge entstanden ist. Tatrak kann gerne mehrere Male wiederholt werden. Wenn das Sitzen auf dem Boden am Kissen zu unbequem ist, darf die Übung auch mit Stuhl und Tisch durchgeführt werden.

Neti – Die Nase reinigen

Im Yoga gibt es verschiedene Arten die Nase, unser Riechorgan, zu reinigen. Im Westen ist das Jala-Neti am gebräuchlichsten. Jala-Neti ist eine Nasendusche. Sie kann auf zweierlei Arten praktiziert werden. Entweder man nutzt eine handelsübliche Nasendusche aus der Apotheke oder ein indisches Neti-Kännchen. Neti-Kännchen gibt es in Yoga-Läden zu kaufen. Für beide Varianten löst man etwa einen halben Teelöffel Salz in einem halben Liter lauwarmen Wasser auf und füllt das Wasser in das Kännchen oder die Dusche. Anschließend hält man den Kopf schräg über einem Waschbecken und lässt das Wasser über ein Nasenloch in die Nase hineinfließen und über das andere Nasenloch abfließen. Pro Nasenloch benötigt man ein Kännchen voll Wasser. Am Anfang kann diese Übung etwas gewöhnungsbedürftig sein, da das Wasser auch über den Rachen abfließen kann und dort der salzige Geschmack irritiert. Das ist allerdings nicht weiter schlimm. Die Nasenreinigung hilft gegen Erkältungen und auch gegen Pollen.

Dhauti – Reinigung der Verdauungsorgane

Viele Fastenanwendungen zielen auf die Reinigung des Magens und Darms ab. Die Kriya-Techniken im Yoga setzen schon weiter oben an und zwar im Mund. Dhauti steht für die Reinigung des Magens, der Speiseröhre und des Mundes. Ein Bestandteil von Dhauti ist die Reinigung der Zunge mit einem Zungenschaber. Eine weit verbreitete Anwendung ist das Öl ziehen. Dazu spült man den Mund etwa zehn Minuten lang mit Öl (Kokosöl oder Sesamöl) und spuckt es anschließend aus. Ölziehen hat sich zum Beispiel als wirkungsvoll bei Parodontitis erwiesen, da die Bakterien und Keime fettlöslich sind. Aber auch Karies und Mundgeruch lassen sich mit Dhauti wirksam beeinflussen. Ölziehen und das Reinigen der Zunge können in das tägliche Morgenritual eingebunden werden.

Umstrittener dagegen ist das Kunjal Kriya. Kunjal Kriya ist eine yogische Reinigungstechnik, bei der Salzwasser getrunken wird, um anschließend zu Erbrechen. Diese Methoden wird teilweise im Rahmen von Ayurvedakuren praktiziert, sollte aber nur unter erfahrener Anleitung und entsprechenden Indikationen durchgeführt werden.

Nauli – Säuberungsübung für den Darm

Beim Nauli-Kriya handelt es sich um eine Bauchmuskelübung, mit deren Hilfe der Darm angeregt und gesäubert werden soll. Dabei werden die Bauchmuskeln wechselseitig angespannt, was einer kreisrunden Bewegung gleichkommt. Das soll – bildlich gesprochen – die Drüsen anregen und das Verdauungsfeuer (Agni) entfachen.

Basti – Der yogische Einlauf

Eine Anwendung, die bei Fastenkuren weit verbreitet ist, ist der Einlauf. Auch unter den Kriyas findet sich diese Anwendung, in Form des Basti. Im Gegensatz zum bei uns gebräuchlichen Einlauf (mit Klistier), benutzt man beim yogischen Einlauf ein dünnes Darmrohr, begibt sich dann in hüfthohes Wasser und praktiziert Uddiyana Bandha. Uddiyana Bandha ist eines der drei Bandhas im Yoga. Es bezeichnet den Bauchverschluss. Daneben gibt es noch das Mula Bandha (Wurzelverschluss) und das Jalandhara Bandha (Halsverschluss). Der Arbeit mit den Bandhas wird im Yoga eine heilende Wirkung zugeschrieben.

Durchführung Uddiyana Bandha: Regulär praktiziert man Uddiyana Bandha im aufrechten Sitz, beim Einlauf allerdings im Stehen. Nach einer Ausatmung wird der Bauch zusammengedrückt und nach hinten oben gezogen. Das zieht den Magen und Darm nach hinten oben. Dann wird der Atem – so lange es geht – angehalten. Anschließend folgt die Einatmung. Uddiyana Bandha soll einen Sog nach innen erzeugen und so beim Einlauf helfen und die Ausscheidung anstoßen.

Studien: Brown RP, Gerbarg PL. Sudarshan Kriya Yogic breathing in the treatment of stress, anxiety, and depression. Part II–clinical applications and guidelines. J Altern Complement Med 2005;11:711-717